Schmiedekunst klingt in Übersee

Klöppel für ein Kunstprojekt in San Francisco, USA: neun Tonnen schwere Glocke vier Meter über dem Boden

Deutschlandweit ist die Kleinsteinbacher Firma Edelstahl Rosswag schon seit längerem die Adresse in Sachen Klöppelherstellung für Glocken jeglicher Art und Größe. Auch europaweit greift man gerne auf das Know-how des Fachbetriebes für Edelstahlprodukte zurück. Die Fertigung von weit über 1.000 Klöppeln unterstreicht dies. Zu den berühmtesten Bauwerken mit Glocken, die mit Rosswag-Klöppeln bestückt wurden, zählen u.a. die Dome zu Speyer, Erfurt und Köln sowie der Stephansdom in Wien, die Hof- und Frauenkirche in Dresden, das Straßburger Münster, die Friedensglocken im Tiroler Telfs und auf Malta, von St. Gallus in Bregenz, die „Lisl“ in Graz, die Kaiserglocke in Neustadt/Weinstraße und auch die Thomaskirche in Kleinsteinbach.

Ein Novum bedeutete aber der jüngste Auftrag: Erstmals geht ein Klöppel nach Übersee. Zielort ist San Francisco City in Kalifornien, USA. Dort wird im Garten eines neu errichteten Sicherheitszentrums im Zentrum der Metropole ein spezielles Monument errichtet. Der amerikanische Künstler Paul Kos, bekannt für seine Installationskunst, gewann die Ausschreibung für das Kunstprojekt, zu dem die feste Aufstellung einer neun Tonnen schweren Glocke vier Meter über dem Boden gehört. Kontakte zur Firma Rosswag kamen durch die be-kannte französische Glockengießerei Paccard zustande, die ihren Sitz in Annecy in den Savoyen hat. Die Firma erteilte den Auftrag zur Produktion eines passenden Klöppels für ihre Glocke.

Unter Leitung von Schmiedemeister Christoph Klameth wurde dieser nun in den letzten Tagen hergestellt und in Anwesenheit von Seniorchef Karl-heinz Essig präsentiert. Dieser, inzwischen zum „Klöppelbeauftragten“ des Unternehmens ernannt, was seine Begeisterung für Klöppel und Glocken zum Ausdruck bringt, erläuterte die Größenverhältnisse und Arbeitsprozesse. Gearbeitet wurde mit einem Einsatzgewicht an Stahl von fast 1.300 Kilogramm, woraus schließlich ein Klöppel von 645 Kilogramm und zweieinhalb Meter Länge nach den Arbeitsschritten wie Sägen, Schmieden, Vergüten, Zentrieren, Drehen und Fräsen und Ultraschall-, Oberflächenrissprüfungen sowie Zug- und Kerbschlagversuchen entstand. Beide zeigten sich sehr angetan über das gelungene Werk.

Karlheinz Essig wird die Firma Paccard, die das Objekt an Ort und Stelle in San Francisco aufbauen wird, in die USA begleiten und ist sich sicher, dass der Klöppel, der ein- bis zweimal täglich die Glocke erklingen lassen soll, der neuen Bezeichnung der Rosswag-Klöppel „Klangwunder“ voll gerecht werden wird.

 

Autor: Karl-Heinz Wenz

 

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