Tag des Stahls beim Römermuseum Remchingen

Anlässlich des Tag des Handwerks 2014 veranstalteten das Römermuseum Remchingen und Edelstahl Rosswag aus Pfinztal-Kleinsteinbach am Samstag, 20. September, einen Tag des Stahls. Hunderte Besucher kamen auf das Gelände des Museums, um Interessantes über die Geschichte von Stahl und Schmieden zu erfahren. Dieses Handwerk konnten sie direkt erleben: Drei junge Schmiede von Rosswag plus der Schmiedefachmann Alfred Plotzitzka von der Handwerkskammer Karlsruhe demonstrierten ihre „Kunst“: vom Schmieden des glühenden Stahls mit dem Handhammer bis zu maschinellem Freiformschmieden unter einem elektrischen Hammer. Andere Rosswag-Mitarbeiter zeigten, wie Werkstücke aus Stahl auf Risse und Fehler im Materialgefüge geprüft werden.

Jeff Klotz, der Leiter des Römermuseums, freute sich über die „Sonderausstellung“ in seinem rein ehrenamtlich geführten Haus. Der Archäologe verwies auf die Bedeutung der Metallverarbeitung für die Einteilung der Menschheitsepochen, so bei der Bronze- oder der Eisenzeit. Die anwesenden Stahlexperten machten deutlich, dass die Welt heute in der „Stahlzeit“ lebt: 1,6 Milliarden Tonnen Weltjahresproduktion an unterschiedlichsten Stahlsorten sprechen eine deutliche Sprache.

Durch das Programm mit Vorträgen und Ausstellungen führte Karlheinz Essig, ehemaliger Geschäftsführer von Edelstahl Rosswag. Essig beleuchtete auch das Thema Glocken und die Bedeutung der stählernen Klöppel für deren Klang. Denn Rosswag ist eines der renommiertesten Hersteller von Klöppeln, vor allem für historische Großglocken wie im Wiener Stephansdom oder im Kölner Dom. Die aktuellen Geschäftsführer Dr. Sven Donisi und Alexander Essig informierten zusammen mit anderen Fachleuten aus dem Betrieb auf anschauliche Weise über die Geschichte der Eisenproduktion und des Schmiedehandwerks.

Alexander Essig ließ bei der Eröffnung die germanische Sage vom Schmied Wieland lebendig werden. Der soll aus dem Kot von Gänsen, denen er zuvor Eisenspäne gefüttert hatte, das unvergleichliche Schwert Mimung gefertigt haben. Essig machte deutlich, dass die Sage einen wahren Kern hat: Vogelkot tut Stahl gut. Donisi machte die moderne Bandbreite beim Umgang mit Stahl deutlich: vom Schmieden von Reaktor-Bauteilen in hydraulischen Pressen mit mehreren tausend Tonnen Druck bis zu modernen Methoden des selektiven Laserschmelzens. Komplexe Werkstücke werden dabei computergesteuert Schicht für Schicht aus Metallpulver geformt, ähnlich wie in einem 3D-Drucker. Ohne Computer, so Donisi, sei moderne Metallbearbeitung ohnehin undenkbar.

Auf dem Museumsgelände waren tonnenschwere Exponate aufgebaut. Rohmaterial, wie vom Stahlwerk geliefert, glänzte in unterschiedlichen Schattierungen auf dem Rasen. Geschmiedete und durch moderne CNC-Dreh- oder Fräsmaschinen bearbeitete Bauteile für Hightech-Produkte etwa aus dem Maschinenbau lagen neben einem schweren, jüngst erst geschmiedetem Glockenklöppel – noch roher Stahl, der in einigen Tagen blitzblank sein wird.

Rohen Stahl, der nicht glänzen soll, setzt dagegen der Künstler Markus Strieder bei seinen geschmiedeten Kunstwerken ein. Am Samstag waren solche Skulpturen im Römermuseum zu sehen. Autofahrer in der Region kennen eine davon: die gestapelten Stahlquader mitten im Kreisverkehr in Kleinsteinbach. Weiteres Highlight: In Vitrinen konnten die Besucher Messer aus Damaszenerstahl bestaunen. Kunstwerke und Damaszenermesser – alles hergestellt bei Edelstahl Rosswag. Am Tag des Handwerks zeigte sich das Handwerk von seiner besten Seite.

 

 

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